Start der BIJV Klasse

Haßfurt. Mohammed ist 17 und sehr dankbar, dass er seit Mitte September die Schule besuchen darf. Er ist einer von 18 Schülerinnen und Schüler in der neu gebildeten so genannten „Vorklasse zum Berufsintegrationsjahr“ an der Heinrich-Thein-Berufsschule für Asylbewerber und Flüchtlinge. Landrat Wilhelm Schneider stattete der Klasse gestern einen Besuch ab, um sich nach den ersten Wochen zu erkundigen, wie der Unterricht läuft.

„Der Unterricht läuft prächtig, sie lernen alle sehr schnell und sind sehr wissbegierig“, erklärte Klassenleiterin Bianca Olerich im Gespräch mit Schneider. Jegliche anfängliche Skepsis bei den Lehrkräften sei mittlerweile einer regelrechten Euphorie gewichen, bestätigt auch Monika Hoffmann. Ihr obliegt es mit Unterstützung von Elisabeth Winkler, das wichtigste Fach in dieser Klasse zu unterrichten: Deutsch. Die Sprache zu beherrschen, das sei die wichtigste Grundlage, um sich heimisch zu fühlen und sein Leben selbst zu gestalten, betonte auch Landrat Wilhelm Schneider und erntete in der ganzen Klasse Zustimmung.

Sie kommen aus Pakistan, Äthiopien, dem Iran, Afghanistan, Vietnam und – die meisten – aus Syrien. „Wir haben hier sechs Nationen, aber mindestens acht Sprachen“, erklärt Monika Hoffmann. Die meisten ihrer Schüler sprechen Arabisch im weitesten Sinne – einige aber sind kaum alphabetisiert, können also nur wenig lesen und schreiben, schon gar nicht in lateinischer Schrift. Doch die Fortschritte seien beachtlich, so Hoffmann, die aus dem Mehrgenerationenhaus Erfahrung mit solch gemischt-sprachlichen Gruppen hat.

Die Sprachvermittlung zieht sich durch alle Fächer, „sprachsensibler Unterricht“ nennt sich das. In allen Fächern geht es zunächst um die Begriffe. So war der Besuch des Landrats natürlich Anlass dafür, im Vorfeld die kommunalen Strukturen in Deutschland und das dazugehörige Vokabular zu vermitteln.

Während der 17-jährige Mohammed bereits in der Klasse als Dolmetscher fungiert, sind vier syrische Schüler erst ganz neu angekommen und müssen ganz von vorne beginnen. Mohammed lebt mit seiner Familie seit fünf Monaten in Hofheim. Sein Vater lebte und arbeitete schon sechs Jahre lang in Deutschland, als er beschloss wegen der terroristischen Anschläge in seiner Heimatstadt die Familie zu holen. Die Schwestern und der Bruder besuchen die Schule beziehungsweise den Kindergarten, die Familie sei in Hofheim bereits sehr gut integriert, berichtet Beatrice Först, die die Vorklasse als Sozialpädagogin begleitet. Sie hilft bei den unterschiedlichsten Problemlagen, aber das Sozialverhalten in dieser Klasse sei hervorragend, so die Klassenleiterin „sie helfen sich wirklich vorbildlich. Sie wollen alle einen Beruf lernen“.

Das haben einige in ihren Heimatländern schon getan – zwei Konditoren finden sich unter den Schülern, sie haben ihr Können auch schon gezeigt. Einmal in der Woche kocht eine Gruppe gemeinsam für die ganze Klasse, was ebenfalls sehr integrativ wirkt. Ebenso wie die Sportstunde – und der Musiklehrer freut sich schon auf interkulturelle Musikprojekte, denn im zweiten Schuljahr steht auch eine Musikstunde im Lehrplan. Auch Achmad Mamoon hat zuhause in Pakistan bereits mit einer Ausbildung als Buchhalter begonnen. Dann aber floh er, als es angesichts einer zunehmenden Islamisierung für Ahmadiyya-Muslime wie ihn immer gefährlicher wurde. Seit fast zweieinhalb Jahren lebt er jetzt in Eltmann, hat bereits einen Basis-Deutschkurs in Bamberg absolviert und über ehrenamtliche Helfer aus Eltmann von der Vorklasse erfahren. Auch er unterstützt die Lehrkräfte als Dolmetscher.

Zwei Jahre soll die Klasse umfassen, im zweiten Schuljahr geht es dann stärker um berufspraktische Ausrichtung, dann sind auch Praktika in Betrieben vorgesehen. Ziel der Vorklasse ist es schließlich, den jungen Asylbewerbern im Alter zwischen 16 und 27 Jahren eine Berufsausbildung zu ermöglichen. „Wir schauen auch jetzt schon ab und an in den Fachklassen, etwa bei den Malern vorbei“, so Bianca Olerich. Ihr ist es neben der Wissensvermittlung wichtig, dass die Jugendlichen in Kontakt kommen. So kämpft sie auch hin und wieder gegen Vorurteile oder Falschinformationen an, die „vor allem im Privatfernsehen“ verbreitet werden.

„Fragen Sie viel“, ermunterte Landrat Wilhelm Schneider die Schülerinnen und Schüler. Er dankte der Schulleiterin Heidrun Görtler und ihrem Kollegium, dass sie diese Klasse eingerichtet haben, unterstützt von den Fachabteilungen des Landratsamtes und des Bezirks. Über die Sommerferien gelang es, alle Voraussetzungen zu erfüllen. Diese Klasse sei notwendig und werde wohl nicht die einzige bleiben, so der Landrat, denn die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge vor allem aus den Bürgerkriegsregionen nehme permanent zu. Derzeit leben im Landkreis 264 Personen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, dazu zehn so genannt unbegleitete Minderjährige. Deren Zahl werde sich bis zum Jahresende voraussichtlich auf 20 erhöhen. Ein Teil dieser Flüchtlinge wird einen Aufenthaltsstatus erhalten der ein längeres Bleiberecht bietet. Besonders den Jüngeren müsse ein Angebot für eine frühzeitige Integration gemacht werden, so die Überzeugung von Wilhelm Schneider.

Der Landkreis engagiere sich gerne für diese Klasse. Der Landrat würdigte außerdem die Anstrengungen auch der allgemeinbildenden Schulen im Landkreis, die von Asylbewerbern und Flüchtlingen besucht werden. 

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