Lions Patenschaft Asylklasse

Haßfurt. „Wir haben hier eine sehr konkrete Möglichkeit gesehen, zu helfen und freuen uns, dass wir dazu noch Partner fanden“, das erklärte der Präsident des Lions-Clubs Haßberge Alexander Ambros bei einem Besuch in der „Asylklasse“. Diese im Herbst neu gebildete Klasse an der Heinrich-Thein-Berufsschule soll junge Asylbewerber und Flüchtlinge auf eine Berufsausbildung vorbereiten und der Lions-Club hat quasi die Patenschaft für die Klasse übernommen.

Harry Riegel, als Lehrer für Schulthemen immer besonders aufgeschlossen, trug das Thema „Asylklasse“ in den Club und organisierte die erste Unterstützungsaktion. Die Schülerinnen und Schüler benötigten nämlich für den Unterricht ordentliche Schulrucksäcke und Sportschuhe. Mit den Fachgeschäften Schweinfest und Weisheit waren ohne große Umschweife tatkräftige Partner gefunden. Michael Weisheit stellte ein Sortiment an Sportschuhen zusammen, die Familie Schweinfest stellte Marken-Rucksäcke zu einem besonders niedrigen Sonderpreis zur Verfügung, der Lions-Club übernahm die restlichen Kosten. So konnte Sozialpädagogin Beatrice Först die Schülerinnen und Schüler neulich zum „Einkauf“ begleiten. „Bildung ist doch das wichtigste, was wir den jungen Menschen mitgeben können, und Sprache ist doch das Wichtigste für die Integration“, erklärte Barbara Schweinfest gestern beim Besuch in der Klasse.

Die Schülerinnen und Schüler waren bemüht, den Gästen ihre Fortschritte im Deutschunterricht zu zeigen – und sie bedankten sich mit Worten und mit selbstgebackenen Plätzchen. Jeden Dienstag nämlich kochen, backen oder werken die Schülerinnen und Schüler, erfuhr Alexander Ambros im Gespräch mit Lehrkräften und Schülern. Beim Kochen und Backen können die Brüder Wahab und Tschwad Abdul ihr Können zeigen, sie sind nämlich Konditoren, Tschawad zusätzlich auch Koch. „den Nußecken sieht man an, wie fachmännisch sie zubereitet und geschnitten wurden“, freut sich Monika Hofmann, eine der Deutsch-Lehrerinnen. Wahab und Tschawad sind aus Syrien geflohen. Mittlerweile hätten sie eine Arbeitserlaubnis und sie würden auch gerne einen Job finden. Nach dem ersten Jahr der Vorklasse wäre das möglich „aber im Idealfall ergänzend zum Unterricht des zweiten Jahres, damit sich das Gelernte auch festigt“, wünscht sich Klassenlehrerin Bianca Olerich.

Sie ist begeistert von ihrer Klasse. „Alle sehr wissbegierig und zielstrebig“, freut sie sich. Obwohl allein der Unterricht in einer solch gemischten Gruppe aus sechs Nationen, etwa acht Sprachen und sehr unterschiedlichen Vorgeschichten eine echte Herausforderung ist, bemüht sie sich gemeinsam mit Sozialpädagogin Beatrice Först einerseits um Unterstützung wie durch die Lions, aber auch die Arbeitsagentur, und um Kontakte zur Wirtschaft. Schließlich ist das Ziel der zwei Jahre Unterricht, die jungen Leute in eine Ausbildung zu vermitteln und zwar am liebsten mit Mittelschulabschluss. „Es gibt da einige, die den Abschluss schaffen können“, ist Bianca Olerich überzeugt.

Die Klasse ist ein Pilotprojekt „aber es gäbe im Landkreis etwa 60 Jugendliche, die eigentlich genauso schulisch versorgt werden sollten“, erklärt Heidrun Görtler. Genehmigen muss solche Klassen jedoch die Bezirksregierung. Anfragen laufen „wir sind jedenfalls bereit, weitere Klassen einzurichten“, versichert die Schulleiterin.

„Wir helfen auch weiterhin gerne, nicht nur mit Geld“, erklärte Alexander Ambros für den Lions-Club. Und da traf er einen wesentlichen Punkt, denn einerseits können die Asylbewerber zwar beispielsweise Fahrräder brauchen, doch sind soziale Kontakte mindestens genauso wichtig wie Spenden – für die Freizeitgestaltung und für das Üben der deutschen Sprache, betont Monika Hoffmann. Das könnte beispielsweise über Sportvereine gut funktionieren, einige haben auf Anfrage des Landratsamtes Interesse angemeldet, die jungen Flüchtlinge in ihre Angebote zu integrieren. Harry Riegel und Alexander Ambros gingen mit einer ganzen Liste von Ideen und begeistert von dieser ganz besonderen Klasse. Die Lionsclub-Mitglieder sind überzeugt: gleich ob die jungen Leute dauerhaft in Deutschland bleiben, oder ob sie irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren: Schulbildung, eine Ausbildung und die Erfahrung, willkommen gewesen zu sein, werden ihr Leben positiv prägen.

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