Zweite Asylklasse der Berufsschule

asylklasse1 300pHaßfurt. Ein verführerischer Duft zieht von der Aula her durch die Haßfurter Berufsschule – drinnen geht es kunterbunt zu. Schülerinnen und Schüler haben ein internationales Buffet aufgebaut und Gäste eingeladen. Sie selbst kommen wie die Speisen – fast- „aus aller Herren Länder“. Die kulturelle Vielfalt am Heinrich-Thein-Berufsschulzentrum in Haßfurt ist durch die Berufsintegrationsklasse für junge Flüchtlinge enorm gewachsen. Nachdem inzwischen eine zweite solche Klasse angelaufen ist, besuchte Landrat Wilhelm Schneider mit Vertretern der Kreisverwaltung erneut die Berufsschule, um sich über den Ablauf und weiteren Bedarf zu informieren.

asylklasse2 300pDie Kreisverwaltung arbeitet eng mit den Schulleitern Heidrun Görtler, Jochen Brüggemann und Joachim Sagstetter zusammen, um möglichst vielen jungen Asylsuchenden die Möglichkeit zum Berufsschulbesuch zu bieten. Auch von der zweiten Klasse ist Bianca Olerich als verantwortliche Lehrkraft sehr beeindruckt. Sie alle sind sehr bemüht und leistungsbereit. Natürlich sind die Klassen alles andere als homogen. Auch in der neuen Klasse gibt es drei Schüler, die zunächst alphabetisiert werden müssen, ebenso sind aber auch junge Leute vertreten, die in ihrer Heimat eine höhere Schule besuchten oder sogar ein Studium begonnen hatten. Manche haben auch eine Berufsausbildung abgeschlossen, ein Schneider ist beispielsweise unter ihnen.

asylklasse3 300pWie die erste, hat auch die zweite Klasse, die offiziell das Kürzel BIJVH trägt, 20 Schüler. Die 17 jungen Männer und drei Frauen sind zwischen 17 und 26 Jahre alt. Elf von ihnen stammen aus Äthiopien, fünf aus Somalia, zwei aus Eritrea und zwei aus Afghanistan. Drei Schüler sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus der Jugendhilfe Eltmann.

Die Sprachfortschritte der ersten Klasse, die im vergangenen Jahr eingerichtet wurde, sind merklich. „Allerdings geht das in Schüben“, erklärt Bianca Olerich. „Um Weihnachten dachten wir schon, es geht nichts vorwärts“, aber dann gab es doch wieder große Fortschritte. Abdulwahab Makki, ein junger Konditor aus Syrien, hat neulich sogar bei einer Veranstaltung der Regierung von Unterfranken in Würzburg eine Rede gehalten. „Unsere Schüler bemühen sich, auch untereinander deutsch zu sprechen“, beobachtet Olerich.

asylklasse4 300pSetareh kommt aus dem Iran. „Sterne“ bedeutet ihr Name, doch in ihrer Heimat fühlte sie sich nicht als Stern, sondern diskriminiert. Mit dem falschen Glauben und als Frau waren ihr viele Möglichkeiten verschlossen, die Universität musste sie wieder verlassen. Sie hat in den zwei Jahren schon relativ gut Deutsch gelernt, aber sie ist sehr kritisch mit sich selbst: „das muss noch viel besser werden“. Ihre Muttersprache ist Farsi, auch ein bisschen englisch hat sie noch im Iran gelernt. Sie kann sich mit Arabern, Kurden und Afghanen verständigen, so fungiert sie auch als Dolmetscherin. Das muntere Grüppchen um sie ist gut gelaunt und erzählt gern (auf ein Foto möchten sie dann aber lieber nicht). Momeina aus Syrien ist erst 17, kam aber mit ihrer Familie, der 18jährige Nawid aus Afghanistan dagegen ist alleine unterwegs. Sie alle freuen sich über die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, die Sprache zu lernen, denn ihr Ziel ist es, einen Beruf zu erlernen.

asylklasse5 300pZusammen mit Zerihun und Senait aus Äthiopien und den anderen haben sie alle gemeinsam mit den Schülerinnen der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung den ganzen Vormittag über gekocht und gebacken. Als Landrat Wilhelm Schneider, Kreiskämmerer Markus Fröhlich und die Lehrkräfte die Aula betreten, duftet es nach Börek und fränkischem Zwiebelkuchen, Teigfladen warten darauf, mit Shiro Wot oder Kek Wot bestrichen zu werden. Die süßen Biskuitröllchen von Abdulwahab Makki finden reißenden Absatz, Senait interessiert sich dagegen für den Frankfurter Kranz. „Schnitzel sind sehr lecker“, erklärt Nawid – weil die meisten Flüchtlinge Moslems sind, wurden Putenschnitzel gebraten.

asylklasse6 300p„In unseren Küchen herrschte beste Stimmung“, erklärt Edeltrud Spiegel, Leiterin der Berufsfachschule. Gemeinsames Kochen, das stand für die Berufsintegrationsklasse von Beginn an auf dem Programm, denn beim Kochen und Essen schmilzt das Eis ganz schnell und auch Sprachbarrieren fallen. „Als sie feststellten, dass uns als Fachlehrern viele ihrer landestypischen Zutaten gar nicht fremd sind, waren manche ganz überrascht“, erzählt Spiegel. Sie hat sich schon einige der Rezepte gesichert, denn lecker war alles, was da auf dem Buffet stand und diesen herrlichen, völkerverbindenden Duft verströmte.

 

 

Aktuelle Seite: Home Aktuelles Schuljahr 2014/15 Zweite Asylklasse der Berufsschule