"Katastrophenschutz" bei der Regierung von Unterfranken

 

„Hast du eine Tasche mit den wichtigsten Dingen für den Notfall gepackt?“ Dies ist nur eine der Fragen, die sich die Schüler des Berufsgrundschuljahres Holz (HGB 10) sowie der Berufsfachschule für Technische Assistenten für Informatik (BFT11) während ihres Besuchs bei der Regierung von Unterfranken stellten.

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Ziel des Projekts „Lernort Regierung“ ist es, interessierten Schülern einen Einblick in die Arbeit bzw. die Aufgabenbereiche der Regierung zu geben und ihnen in speziell auf sie zugeschnittenen Vorträgen auch ein ausgewähltes Schwerpunktthema näher zu bringen. Die beiden Klassen hatten sich hierzu im Vorfeld bereits Gedanken machen müssen und jeweils ein Thema und ein Ersatzthema ausgewählt, das sie gerne behandeln wollten. In diesem Jahr kam das Ersatzthema „Katastrophenschutz“ zum Zuge.

In Würzburg angekommen, wurde die Gruppe von Michael Wimmel, Referent an der Regierung von Unterfranken im Bereich Schulen und Holger Borisch, dem Koordinator für digitale Bildung an der Regierung von Unterfranken, begrüßt. In ihrem kurzen Vortrag erläuterten die beiden viele interessante und wissenswerte Fakten rund um die Regierung. Die Lage zwischen zwei Kirchen und auch die Unterbringung in einem ehemaligen Kloster bis zur Bombennacht am 16. März 1945 klingen durchaus denkmalwürdig. Die Bezeichnung „Beamtensilo“ hingegen erinnert weniger an ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, das aber dennoch von vielen Kunstwerken und -objekten geschmückt wird.

 

 

 

Anschließend gab der Pressesprecher, Johannes Hardenacke, im großen Sitzungssaal einen Überblick über Aufbau und die Organisation der Regierung. Dabei ergänzte er seinen Vortrag mit vielen interessanten Informationen, aber auch wichtigen geschichtlichen Fakten zu Würzburg bzw. Unterfranken. So erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass der Bezirk Unterfranken momentan knapp 1,3 Mio. Einwohner hat, was einem Anteil von 10% an der bayerischen Bevölkerung entspricht und dass ca. 14 000 Staatsbedienstete von der Personalverwaltung der Regierung von Unterfranken betreut werden. 500 Millionen Euro Fördergelder werden jährlich für über 100 Förderprogramme ausgegeben. 50 Millionen Euro davon landen jährlich in den unterfränkischen Schulen. Eine Besonderheit stellt zudem die Weinprüfstelle dar, deren Mitarbeiter 13.000 bayerische Weine jährlich zwei Mal in der Woche für ganz Bayern einer Qualitätsprüfung unterziehen.

In einem kleinen Quizz konnten die Schüler im Anschluss unter Beweis stellen, wie gut sie zugehört hatten. Als „Quizzchampion“ erwies sich dabei Simon Janiella aus der Klasse HBG 10, der im Amtszimmer des Regierungspräsidenten für seine tolle Leistung einen Reiseführer über den Bezirk Unterfranken erhielt.

Nach einer kurzen Pause gab Wolfgang Raps den Schülern einen informativen Einblick in den Bereich „Katastrophenschutz“. Gegliedert war der Vortrag dabei in zwei Teile. Zunächst einmal wurde zusammen geklärt, wie sich jeder einzelne auf eine eventuelle Notsituation vorbereiten kann. So sollten neben ausreichend Nahrungs- und Wasservorräten auch Kerzen und Batterien in jedem Haushalt vorrätig sein. Ebenso wichtig ist es, ein funktionstüchtiges Radio zu besitzen, mit dem man im Katastrophenfall Rundfunkdurchsagen empfangen kann. Insbesondere die Frage, „Was passiert bei einem Energieausfall?“, ist in der heutigen Zeit sehr wichtig, da ohne Strom weder Telefon noch Heizung funktionieren und auch das Wasser in der Leitung kalt bleibt. Speziell der Hinweis, ein Notgepäck und auch die wichtigsten Dokumente gesammelt in einem Ordner parat zu halten, wurde von Schülern und Lehrern interessiert aufgenommen, denn ganz ehrlich, wer von uns hält schon Fahrzeugpapiere, Grundbuchauszüge, Zeugnisse, Mietverträge und Impfpässe zusammen in einer Mappe griffbereit für den Notfall parat. Wolfgang Raps betonte wie wichtig im Katastrophenfall die Selbsthilfe der Bürger ist, denn der Freistaat verfügt zwar über ein äußerst leistungsfähiges Unterstützungssystem für Notfälle, aber auch dieses ist völlig überfordert, wenn plötzlich alle auf einmal betroffen sind.

Um im Notfall auf dem Laufenden zu bleiben, gibt es inzwischen auch Apps. NINA ist die Notfall- Informations- und Nachrichten- App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und warnt vor Unwettern, Hochwasser und anderen Großschadenslagen. KATWARN übermittelt Gefahren- und Katastrophenwarnungen innerhalb Deutschlands, z.B. Großbrände oder Extremwetter, aber auch Bombenfunde, die 74 Jahre nach Kriegsende in der BRD immer noch gar nicht so selten vorkommen. Dabei kann der Nutzer sich immer für den aktuellen Standort informieren lassen.

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Im zweiten Teil des Vortrages ging es schwerpunktmäßig um Vorbeugung und Bekämpfung von Katastrophen wie Waldbränden und Hochwasser. Hierbei wurde herausgestellt, wie wichtig umsichtiges Verhalten, aber auch gezielte Vorsorge ist. So werden beispielsweise Flugbeobachter eingesetzt, die bei bestimmten Wetterlagen den ganzen Bezirk abfliegen, um Waldbrände oder andere Gefahrenlagen zu melden. Vor dem Hintergrund, dass Unterfranken mit über 30% seiner Fläche der waldreichste Regierungsbezirk Bayerns ist, wird dieser Aufgabe eine enorme Bedeutung beigemessen. Die Flugbereitschaft Unterfranken in der 1968 gegründete Luftrettungsstaffel Bayern e.V. startet auch von Haßfurt aus regelmäßig, um aus der Vogelperspektive eine Brand schon in seiner Entstehungsphase zu entdecken. Die Einsatz-Piloten sind alle ehrenamtlich tätig. Lediglich die Flugkosten werden vom Freistaat Bayern übernommen. Falls doch einmal ein Waldstück in Brand gerät, können örtliche Feuerwehren auch durch spezielle Transporthubschrauber vom Typ CH53 der Bundeswehr unterstützt werden, wie es beispielsweise bei der Waldbrandkastrophe in Amorbach im April 2012 der Fall war. Da der Einsatz eines solchen Hubschraubers aber Kosten von 38.000 Euro je Stunde verursacht, ist es wichtig, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und auch das Bewusstsein der Bürger zu stärken, damit es erst gar nicht zu einem Waldbrand kommt.

Zum Abschluss des Besuchs hatten die Schüler die Gelegenheit, den stellvertretenden Regierungspräsidenten, Herrn Jochen Lange, kennenzulernen und ihm einige Fragen zu stellen. Dieser zeigte sich sichtlich gut gelaunt und ging immer wieder konkret auf die Schüler ein, indem z.B. zusammen die verschiedenen im Büro verwendeten Holzarten erkundet wurden.

Nach einem abschließenden Gruppenfoto endete ein sehr interessanter und lehrreicher Tag in der Regierung von Unterfranken und Schüler und Lehrer fuhren mit vielen neuen Erkenntnissen zurück nach Haßfurt.

 

Artikel: Verena Hofmann / Bianca Olerich

 

 

 

 

 

 

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