„Den Kopf von Problemen frei kriegen...“

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Drei Tage lang fand an der Heinrich-Thein-Schule in Haßfurt ein interreligiöses  Begegnungsprojekt mit der 11. Klasse der Berufsfachschule für Sozialpflege statt. Hierbei handelte es sich um ein Malerei-, Bodypaint- und Fotografieprojekt mit dem Künstler Marian Kretschmer aus Chemnitz im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Haßberge. Das Projekt wurde über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Es wurde initiiert von der Jugendsozialarbeit an Schulen in Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes Kreisverband Haßberge. Der Schwerpunkt lag auf der Inklusion und Integration von Menschen aus unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Bildungshintergründen. 

 

Die SchülerInnen beschäftigten sich eingangs mit verschiedenen literarischen Texten zu Lebenssituationen von Menschen und mit Bildbänden, in denen   Fotografien aus verschiedenen Kunstepochen zu sehen waren. Im Anschluss daran sollten die SchülerInnen über die entstandenen Gefühle sprechen und sie mit ihrer momentanen Befindlichkeit vergleichen. Danach durften die TeilnehmerInnen eine Farbe wählen, die sinnbildlich ihren eigenen aktuellen Gemütszustand ausdrückte. Mit dieser Farbe bemalten sie ein Blatt Papier. Zudem sollten die „jungen Künstler“ einen Alltagsgegenstand finden, der ihre aktuelle emotionale Verfassung widerspiegelte. 

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Am zweiten Tag wurden Handyfotos von den ausgesuchten Symbolen von den SchülerInnen angefertigt, die zeitgleich 10 Sätze schrieben, was ihr Foto ausdrücken soll. Die Werke wurden dann präsentiert und die Mitschüler interpretierten, was sie in den Bildern sahen. Die Sozialpädagogin Martina Meisch und die Klassenlehrerin Gerti Schmalzl waren berührt von den wertschätzenden Haltungen, mit denen sich die SchülerInnen hier begegneten. Die Empathie der Beteiligten für die jeweiligen Befindlichkeiten der MitschülerInnen wie Trauer, Wut, Schmerz, Angst, Schuld, Stärke, Stolz, Zufriedenheit, Liebe, Unsicherheit, Hoffnung und Verzweiflung und der gegenseitig gespendete Trost und Mut waren einzigartig. Im Anschluss wurden die technischen Notwendigkeiten und Rahmenbedingungen für die Produktion der endgültigen Fotografien besprochen und die Jugendlichen mit Teamübungen auf den nächsten Tag vorbereitet.  

Schon lange vor Unterrichtsbeginn trafen sich die ersten Schüler am dritten Tag für das Fotoshooting.  Die SchülerInnen bemalten ihre Gesichter und Hände gegenseitig mit Bodypaintfarben. Mit einem farbigen Stofftuch wickelten sie sich dann ein und hielten ihr ausgewähltes Symbol in den Händen. Die Fotografin Jessica Flemming und Marian Kretschmer hielten diese ausdrucksvolle Stimmung in Bildern fest.  

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Das Künstlerteam, Frau Schmalzl und Frau Meisch waren begeistert von den beeindruckenden künstlerischen Ergebnissen und den Prozessen, welche von den Teilnehmern angestoßen wurden. Die SchülerInnen gaben so viele Emotionen und Geschichten von sich preis, dass das Team sichtlich berührt war. Was bei ihnen haften blieb, war die Begeisterung und die Erfahrung, dass man Gefühle über Kunst und ohne Sprache ausdrücken kann und darüber den „Kopf von den Problemen frei kriegen kann“, wie ein teilnehmender Asylbewerber erzählte. „Man fühlt sich gestärkt und ermutigt, in die Zukunft zu blicken“ so ein anderer Teilnehmer. Ein weiterer Geflüchteter bezeichnete das Projekt als eines seiner „unvergesslichsten Erlebnisse, woran er sich immer erinnern wird“. Andere Mitwirkende fühlten sich gestärkt für ihr zukünftiges Leben. Die weiblichen Teilnehmerinnen haben für sich herausgefunden, „dass man sich nicht verändern muss bzw. schminken muss, um schön zu sein oder gut auszusehen.“  Die teilnehmenden Schüler bedankten sich mehrfach für das Projekt. Für zukünftige SchülerInnen wünschen sie sich, dass diese das Projekt auch „erleben dürfen“. 

Die Ergebnisse des Projektes werden in einer Vernissage am 23. Januar 2020 in den Räumen der Heinrich-Thein-Schule veröffentlicht und im Anschluss für die Öffentlichkeit ebenfalls in den Räumen des Mehrgenerationenhauseszugänglich sein. Abschließend werden die Bilder an die jeweiligen SchülerInnen übergeben, um sie auf ihrem weiteren Lebensweg zu begleiten und immer wieder auf dieses wunderbare Projekt   zurückzublicken.

 

Text: Heinrich-Thein-Schule

Bilder: Marian Kretschmer

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